Online Mediation Glaubenssatz 4 

Es braucht Nähe, um schwierige Inhalte zu adressieren und ungewollte Gefühle beim Namen zu nennen!

Wer spricht schon gern über unangenehme Gefühle und schwierige Themen? Selbst Therapeuten geben zu, dass Sie das manchmal gern vermeiden. Und wenn es sogar denen, die den Mehrwert des 'darüber Redens' am besten kennen sollten schwerfällt, über den 'inneren Schweiger' zu siegen, wie geht es dann den meisten anderen von uns?

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum wir oftmals das 'drüber Schweigen' bevorzugen. In Konflikten spielt häufig Scham eine Rolle. Wir wollen nicht so fühlen oder denken, wie wir es tun. Wir kennen diese Regungen sonst nicht von uns. Wir verurteilen die Gedanken und Bedürfnisse die wir haben selbst – und schämen uns dafür.
Um solche mit Scham besetzten Dinge, die einen entscheidenden Anteil in der Konfliktentstehungsgeschichte haben, besprechbar zu machen, braucht es die Nähe zum wertschätzenden Mediator.

Oder?

Physische Nähe ist genau das, was ich in Online Mediationen nicht bieten kann. Emotionale aber sehr wohl. Meine Empathie, mein Mitfühlen, wenn die Klientin beispielsweise versucht, Kränkungen oder erlebte Schmach in Worte zu fassen, kann ich auch in virtueller Mediation zum Ausdruck bringen. Empathie wird am meisten durch Mimik und Stimme ausgedrückt – beides habe ich bei Online Mediation zur Verfügung. Ich stelle immer wieder fest, dass meine Klienten genauso gut wie in analogen Mediationen feststellen können, ob ich in gute Resonanz mit ihnen gehe oder nicht.
Und nicht nur das. Ich habe festgestellt, dass es vielen Menschen sogar leichter zu fallen scheint, mit Hilfe der virtuellen Distanz über Unangenehmes zu sprechen.

Gefühle werden besprechbar dank Distanz!


Ich erlebe immer wieder, dass die räumliche Distanz dazu zu führen scheint, dass Menschen schneller und mit weniger 'emotionalem Anlauf' dazu bereit sind, über ihre Gefühle, Bedürfnisse und unschöne Verhaltensweisen zu sprechen. Die Selbstkundgabe kommt 'leichtfüßiger'. Die Möglichkeit, mit Senken des Blickes, die Anderen ausblenden zu können wird genutzt, um Dinge, die gesagt werden müssen, besprechbar zu machen. 
Im Prinzip hätte mich diese Phänomen der Online Mediation gar nicht so zu überraschen brauchen. Die katholische Kirche arbeitet mit diesem Effekt von Distanz ja schon seit vielen hundert Jahren – im Beichtstuhl!

Glaubenssatz 4 – revised

Räumliche Trennung verhilft Menschen dazu, schwer Besprechbares besprechbar zu machen.